Sesamstraße-Verbot

Die Sesamstraße wurde ursprünglich in Bayern nicht gezeigt, da sie „zu amerikanisch“ sei und es „in Deutschland keine unterprivilegierten Schichten gibt“.

Sesamstraße-Verbot

Die Sesamstraße hatte es nicht leicht in Deutschland – die Version, die manche von uns als Kind gesehen haben, weist große Unterschiede zur originalen „Sesame Street“ auf. Ihr Werdegang war relativ holprig: Zuerst wurde 1971 eine Handvoll Originalfolgen auf NDR ausgestrahlt, lediglich mit einem kurzen deutschen Kommentar unterlegt. Dies sollte als Testlauf genutzt werden: Am Ende der Folgen wurden die Zuseher aufgefordert, dem Sender mitzuteilen, was sie von der neuen amerikanischen Serie hielten.

Dann gab es synchronisierte (und leicht bearbeitete) Fassungen der US-Version, die 1973 bundesweit im ersten Programm laufen sollten. Der Bayerische Rundfunk weigerte sich jedoch, die Kindersendung auszustrahlen. Der reichlich seltsame Grund: In der Originalversion spielte die Rahmenhandlung in der namensgebenden Sesame Street, die in einem unterprivilegierten Stadtviertel lag – auch soziale Probleme wurden gezeigt. Laut dem Sendungsverantwortlichen war diese Darstellung „zu amerikanisch“, da es „in Deutschland keine unterprivilegierten Schichten gibt“.

Die Rechtsgrundlage für die Ablehnung war das bayerische Landes-Rundfunkgesetz, das Sendungen fordert, die „der Eigenart Bayerns gerecht“ werden und das „sittliche Gefühl“ der Bevölkerung nicht verletzen. Anscheinend war dies durch die Darstellung amerikanischer Großstadtverhältnisse der Fall.

Quelle 1

Quelle 2 

Ab 1976 wurde schließlich eine „deutschere“ Version der Sesamstraße produziert, in der die Rahmenhandlung mit deutschen Schauspielern besetzt und eigens kreierte Puppen, die den deutschen Sensibilitäten entsprechen sollten, verwendet wurden. Die Handlung unterschied sich komplett von der Originalfassung; so spielte sie nun nicht mehr in einer Straße, sondern in einem Haus, wodurch der Titel „Sesamstraße“ nur noch wenig Sinn ergab, und erzählte die Abenteuer eines frechen Jungen namens Bumfidel(!).

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