Zwischen Chaos, Gewalt und Rechtsradikalismus

Seit über 20 Jahren begleitet ein TV-Team Familie Ritter

Als die Journalisten von SternTV im Jahr 1994 das erste Mal die Familie Ritter besuchen, mussten sie sich wie in einem schlechten Film fühlen. Begrüßt wurden sie vom damals neunjährigen Norman, der lachend seinen rechten Arm zum verbotenen Hitlergruß hob. Nach seinen Zukunftsträumen gefragt, antwortete er, dass er Skinhead werden wolle – weil man dann andere mit einem Baseballschläger zusammenschlagen könnte.

In Köthen ist die Familie Ritter bekannt. Die Mutter Karin Ritter hat vier Söhne, mit denen sie auch heute noch in einer Obdachlosenunterkunft lebt – zwischen Chaos, Alkohol, Drogen und rechtsradikalem Gedankengut.

Norman ist mittlerweile Mitte 30 und ist tatsächlich Skinhead geworden. Mehrere Jahre musste er wegen verschiedener Gewaltverbrechen im Gefängnis einsitzen, sein Alkoholismus hat dem offen Rechtsextremen, der mit Bildern von NS-Größen prahlt, mittlerweile eine Leberzirrhose beschert. Als Kind war er mehrere Jahre im Kinderheim – eine Zeit, in der er weniger Aggressionen zeigte und laut seinen Betreuern aufblühte. Allerdings holte sich seine Mutter Karin das Sorgerecht und damit Norman zurück. Mittlerweile ist er durch seine Krankheit so gezeichnet, dass er regelmäßig Medikamente einnehmen muss – die er mit Bier herunterspült.

Auch bei seinen Geschwistern sieht es kaum anders aus, wie ihr auf der nächsten Seite lest.

Nicht besser sieht es bei seinen Geschwistern aus. Christopher Ritter verbrachte die meiste Zeit seines Lebens im Gefängnis und auch der Bruder Andy Ritter wurde regelmäßig festgenommen. Mittlerweile ist er tief von seinem Drogenkonsum gezeichnet. Die Polizei gab SternTV bekannt, dass es alleine zwischen 2016 und Mitte 2017 99 Einsätze in der Straße, in der die Familie wohnt, gab – und bei jedem war mindestens ein Mitglied der Ritter-Familie beteiligt.

Aber auch die Mutter der Familie ist nicht nur Opfer ...

Schon früh zeigte sich das Gewaltpotential der Ritter-Brüder. Bereits im vorpubertären Alter brachen sie mit einer Axt in die Wohnung einer Nachbarin ein, verwüsteten dort alles und schlugen die Nachbarin zusammen. Der damals neunjährige Norman sagt in die Kamera der SternTV-Reporter, beim nächsten Mal wolle er sie 'totmachen'.

Während die Mutter Karin hauptsächlich die Stadt für ihr Elend verantwortlich macht – bis heute gibt es in der Unterkunft keine funktionierenden Duschen –, ist das Problem weit umfassender. Denn auch Karin saß bereits im Gefängnis: wegen Volksverhetzung.

Obwohl der Stadtrat Köthen mittlerweile die Gelder für sanitäre Anlagen in der Unterkunft freigegeben hat, findet sich keine Organisation, die eine Betreuung der Familie übernehmen will. Ein Ausweg aus dem Teufelskreis aus Chaos, Gewalt und Rechtsextremismus der Familie zeigt sich bis heute nicht ...