Kita-Broschüre behauptet: So erkennt man, welche Kinder Nazi-Eltern haben

Eine große Diskussion kocht hoch

Kita-Broschüre behauptet: So erkennt man, welche Kinder Nazi-Eltern haben

Eine neue Broschüre für Erzieher, die vom Bundesfamilienministerium gefördert wurde, sorgt für eine heftige Diskussion. In der Broschüre werden Hinweise gegeben, woran man erkennen soll, welche Kinder Zuhause in einem rechtsextremen Umfeld leben. Unter dem Titel „Ene, mene, muh – und raus bist Du!“ verursachte die Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung vor allem mit einer bestimmten Passage für großes Aufsehen.

Was in der Broschüre steht, könnt ihr auf der nächsten Seite lesen.

Rechtspopulist*innen echauffieren sich so lange über unsere #Kita-Handreichung, bis das Thema auch rechtskonservative...

Posted by Amadeu Antonio Stiftung on Thursday, November 29, 2018

Insbesondere geht es um folgenden Abschnitt in der Broschüre:

Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und  Handarbeitet angeleitet, der Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt. Beide kommen häufig am Morgen in die Einrichtung, nachdem sie bereits einen 1,5-Kilometer-Lauf absolviert haben.

Das Problem, das viele mit dieser Passage haben: Es klingt so, als ob Zöpfe und Kleider ausreichen, um die Eltern der Kinder als Rechtsextreme zu identifizieren.

Doch dabei wird etwas wichtiges übersehen, wie ihr auf den folgenden Seiten erfahrt.

Kita-Broschüre behauptet: So erkennt man, welche Kinder Nazi-Eltern haben

Trotz der häufigen Erwähnung dieses Abschnittes, wird dabei oft der Kontext der Passage verschwiegen. Es geht um ein erfundenes Beispiel, bei dem Eltern glauben, es mit rechtsextremen Eltern zu tun zu haben und so bei den Erziehern um Rat fragen.

Und genau darum geht es der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich schon lange gegen Rechtsextremismus engagiert: Es sollen keine Kinder ausgegrenzt, sondern beschützt werden, indem man schon früh erkennt, ob diese in einem rechtsextremen Milieu aufwachsen.

Doch auch politisch wird die Broschüre stark diskutiert. Erfahrt mehr auf den folgenden Seiten.

Kita-Broschüre behauptet: So erkennt man, welche Kinder Nazi-Eltern haben

Politisch heiß ist die Broschüre, weil sie mit 4.600 Euro vom Bundesfamilienministerium gefördert wurde; Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verteidigte die Broschüre. Laut Focus sagte sie, dass es nicht darum gehe, das Privatleben von Eltern auszuspionieren, sondern dem Kita-Personal eine Hilfestellung zu geben. Daher werden unterschiedliche, fiktive Fallbeispiele in der Broschüre analysiert – wie eben auch dasjenige, aus dem die obige Passage stammt.

Doch einige Politiker äußerten Protest, wie ihr auf der letzten Seite lesen könnt.

Insbesondere die Vize-Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Nadine Schön, empörte sich über die Broschüre auf Twitter: Es wäre eine Anleitung, um Eltern auszuspionieren, sagte die CDU-Politikerin.

Doch Giffey verteidigt: Die Analysen stammen von anerkannten Professorinnen aus Berlin und Cottbus, so die SPD-Politikerin gegenüber der WELT.