Droht Deutschland das Klingelschild-Chaos?

Die neue Datenschutzverordnung sorgt für mächtig Verwirrung. In erster Linie soll sie nur der Privatsphäre jedes Einzelnen dienen. Doch die Konsequenzen, die ein Immobilienverband nun gezogen hat, schießen etwas über das Ziel hinaus.

Droht Deutschland das Klingelschild-Chaos?

Im Mai 2018 trat die neue Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, in Kraft. Sie gilt in ganz Europa und soll die Privatsphäre jedes europäischen Bürgers schützen. Jedoch sind gewisse Vorschriften in dieser Verordnung noch Auslegungssache. 

Um in keinem Fall gegen die neue Verordnung zu verstoßen und somit eventuellen Geldbußen zu entgehen, hat nun ein Immobilien-Unternehmen zu drastischen Maßnahmen geraten. 

Natürlich ist Vorsorge immer besser als Nachsorge. Schließlich geht hier um sensible Daten der Bürger. Das dachte sich der Eigentümer "Haus & Grund" anscheinend auch und empfahl seinen Mitgliedern die Namensschilder der vermieteten Wohnungen besser abzunehmen. 

Wie sie das begründen, erfährst du auf der nächsten Seite...

Droht Deutschland das Klingelschild-Chaos?

Dass der Immobilienverband seine ungefähr 900.000 Mitglieder dazu aufgefordert hat, die Namensschilder der Mieterwohnungen abzuschrauben, begründet er so: "Nur so können sie sicher sein, nicht gegen die DSGVO zu verstoßen."

Der Hintergrund ist natürlich finanzieller Art. Denn die Vermieter kann es teuer zu stehen kommen, wenn ein Mieter sie wegen der Nichtbeachtung der Privatsphäre verklagt. Bis zu 20 Millionen Euro Bußgeld sind möglich.

Natürlich möchte niemand, dass jeder auf der Welt Zugriff auf persönliche und sensible Daten hat. Aber ein Name auf dem Klingelschild - das ist doch nicht weiter schlimm? 

Das sollte man denken. Doch ein Mieter in Wien bewies das Gegenteil. Erfahre mehr darüber auf der nächsten Seite...

Droht Deutschland das Klingelschild-Chaos?

Der Aufruf des Immobilienverbandes wird wohl etwas verständlicher, wenn man sich den Fall in Österreich einmal ansieht.

Hier beschwerte sich ein Mieter aus der Stadt Wien. Er wollte nicht, dass sein Name weiterhin unten am Klingelschild steht und wies auf die neue Datenschutzgrundverordnung hin. Die Hausverwaltung des Mieters, "Wiener Wohnen", wandte sich daraufhin an die städtische Abteilung für Datenschutzangelegenheiten. 

Diese bestätigte der Hausverwaltung tatsächlich, dass der Nachname in Verbindung mit der Wohnungsnummer gegen die DSGVO verstoße. Nun müssen bis Ende des Jahres 220.000 Namensschilder von den Klingeln verschwinden. Lediglich Nummern sollen bleiben. 

Werden wir in Deutschland also auch bald ein wahres Klingelschild-Chaos haben? Die Bundesbeauftragte für Datenschutz, Andrea Voßhoff, gibt Entwarnung: "Die Aufforderung zur Entfernung sämtlicher Klingelschilder ist unnötig." Da haben wir wohl nochmal Glück gehabt!