Auf Weihnachtsmarkt: Menschen mit Behinderung von Mitmenschen beleidigt

Für einige scheinen Menschlichkeit und Toleranz immer noch Fremdwörter zu sein

Auf Weihnachtsmarkt: Menschen mit Behinderung von Mitmenschen beleidigt

In unserer Idealvorstellung ist die Weihnachtszeit eine Zeit des Miteinanders, in der wir uns auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben besinnen: Liebe, Zusammenhalt, Toleranz und Mitgefühl. Das mag für einige kitschig klingen und allein das ist eine gruselige Bilanz, wenn man mal darüber nachdenkt – schließlich basiert unser gesamtes Leben auf dem Zusammenleben mit anderen und jeder trägt seinen Teil dazu bei, dieses möglichst harmonisch zu gestalten. Oder eben nicht.

Denn die folgende Geschichte lässt uns wirklich an unseren Mitmenschen zweifeln: Eine Altenpflegerin besuchte kürzlich zusammen mit ihren kranken und eingeschränkten Patienten einen Weihnachtsmarkt – und erntete dafür die unmenschlichsten Kommentare, die man sich vorstellen kann ...

Auf Weihnachtsmarkt: Menschen mit Behinderung von Mitmenschen beleidigt

Ein einfacher Facebook-Post erlangte kürzlich deutschlandweit Beachtung, da er ein ebenso wichtiges wie trauriges Problem thematisierte: Die Ignoranz einiger Menschen gegenüber unschuldigen und hilflosen Mitmenschen. Besagter Beitrag erzählt die Geschichte einer Altenpflegerin, die ihren stark eingeschränkten und teils schwer erkrankten PatientenInnen einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ermöglichte. Die PatientenInnen, die sich zum Teil nicht selbstständig bewegen können, sollten damit ein Stückchen Lebensqualität zurückerhalten, das ihnen durch ihr Alter oder ihre Erkrankungen genommen wurde. Dieser Gedanke ist nicht nur nachvollziehbar, sondern auch wunderbar engagiert und sollte daher doch eigentlich nur auf positives Feedback stoßen, richtig?

Die Realität beweist leider das Gegenteil: Auf dem Weihnachtsmarkt angelangt wird die Gruppe der PflegerInnen und PatientenInnen angewidert beobachtet und mit Sätzen wie "Oh Gott! Muss man mit sowas hier spazieren gehen?" traktiert – Äußerungen, die fassungslos machen. Sind es wirklich die Menschen mit Einschränkungen, die nicht erwünscht sind? Sollten sich nicht lieber diejenigen, die so unmenschlich und dreist urteilen, fragen, ob sie mit ihrem egoistischen Verhalten überhaupt einen Platz in der Gesellschaft verdient haben?

Diese Frage stellt auch der ursprüngliche Post, der die ganze Geschichte erzählt:

Ich bin wirklich selten ungehalten und konzentriere mich nur auf positive Dinge. Manchmal muss man jedoch denen eine...

Posted by David Felten on Wednesday, December 19, 2018

"Ich bin wirklich selten ungehalten und konzentriere mich nur auf positive Dinge. Manchmal muss man jedoch denen eine Stimme geben, deren eigene ansonsten ungehört bliebe:

Meine wunderbare Ehefrau ist examinierte Altenpflegerin und hat danach eine Weiterbildung zur Beatmungsfachkraft und Wachkomaexpertin gemacht. Sie kümmert sich also mit vollem Herzblut um Menschen, die größtenteils weder sprechen, noch sich in irgendeiner Form bewegen oder verständlich machen können; gefangen im eigenen Körper, können die meisten nicht einmal eigenständig atmen und sind folgerichtig auf künstliche Beatmung angewiesen.

Nichtsdestotrotz werden die Patienten von meiner Frau und dem gesamten Team als wertvolle Lebewesen - eben als vollwertige Menschen - angesehen und mit Liebe, Leidenschaft und Hingabe gepflegt. Sie werden auch täglich mobilisiert. Heute besuchten sie mit den Patienten sogar einen Weihnachtsmarkt in der Nachbarstadt. Dort ist etwas passiert, worauf sich auch die Erstellung dieses Postings gründet:

Es ist nicht nur so, dass manche Gäste des Weihnachtsmarktes abwertend und stellenweise wirklich angewidert geschaut haben. Manche ließen sich sogar dazu hinreißen, ihre unqualifizierten Synnapsen dahingehend zu missbrauchen, Worte in ihren Mündern entstehen zu lassen, wie:

"Oh Gott! Muss man mit sowas hier spazieren gehen?"

Ich bitte jeden, der diesen Post liest, sich diesen Satz einmal auf der Zunge zergehen zu lassen. Wir reden hier über Menschen! Menschen, die durch schwere Krankheiten oder Unfälle dazu gebracht wurden, so liegen zu müssen. Bei manchen reichte sogar ein einfacher Bienenstich aus. Niemand hat sich diese Situation selber ausgesucht und es macht mich fassungslos, wütend und traurig zugleich, wenn wir als Gesellschaft derart miteinander umgehen.

Jeder Mensch; ob schwarz oder weiß, Frau, Mann oder beides, jung oder alt, hetero-, homo-, bi- oder transexuell, gesund, krank oder behindert, hat verdammt nochmal das Recht einen würdigen Platz in unserer Gesellschaft zu haben. Anstatt solche Menschen auszugrenzen, sollten wir dankbar sein, dass es uns vielleicht besser zu gehen scheint und vor allem dafür, dass es Menschen da draußen gibt, wie meine Frau, die sich tagtäglich den Allerwertesten aufreißen, um jenen Menschen ein kleines bisschen Lebensqualität zu verschaffen. Anstatt diese Menschen mit unseren Ellenbogen wegzudrücken sollten wir lernen, jene dafür zu benutzen, ihnen unter die Arme zu greifen.

Ich ziehe meinen Hut und bedanke mich bei allen Pflegekräften da draußen! Ihr macht einen so unfassbar guten Job und gebt der Gesellschaft einen unfassbaren Mehrwert! Ihr seid die wahren Helden der heutigen Zeit!

Danke auch an alle Menschen, die nicht so sind, wie manche Besucher dieses Weihnachtsmarktes!

Ich habe fertig

Euer David"