Thalassophobie: Das steckt hinter der Angst vor tiefem Wasser
Einige Menschen leiden an der panischen Angst vor tiefem Wasser. Doch wie erkennst du, ob du tatsächlich an Thalassophobie leidest?
#4 Verbreitung der Thalassophobie
Im Vergleich zu anderen Phobien ist Thalassophobie weniger weit verbreitet. Etwa zwei bis fünf Prozent der Menschen weltweit sind von dieser Angst vor tiefen Gewässern betroffen. Ungefähr jede*r Zehnte leidet an einer spezifischen Phobie. Zu den häufigsten Phobien zählen die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) und Höhenangst (Altophobie oder Hypsophobie). Wie viele Menschen genau unter Thalassophobie leiden, ist schwer zu sagen, da viele Betroffene sich mit ihrer Angst arrangieren und die Phobie daher oft nicht diagnostiziert oder behandelt wird. Auch, wenn die konkrete Phobie vor tiefem Wasser nur einige Prozent in der weltweiten Bevölkerung ausmachen, sieht es bei den Ängsten der Menschen schon ganz anders aus. Laut einer Statistik geben rund 22 Prozent der Menschen an, Angst vor tiefem Wasser zu haben. Das wäre die am vierthäufigsten verbreitete Angst. Diese „Angst“ gilt aber nicht direkt als Thalassophobie.
#5 Wann ist es keine Phobie?
Die Angst vor tiefem Wasser ist bis zu einem gewissen Grad normal, denn jede Angst ist eine natürliche Reaktion auf als bedrohlich oder unkontrollierbar eingeschätzte Situationen. Angst versetzt unseren Körper in einen Alarmzustand, der uns hilft, Gefahren zu bewältigen. Wenn wir uns auf offenem Meer befinden und nicht schwimmen können, oder durch einen tiefen, dunklen See schwimmen müssen, ist ein mulmiges Gefühl eine angemessene Reaktion auf die Unsicherheit der Situation. Ebenso kann das Ansehen eines Films wie „Der weiße Hai“ und die bedrohliche Musik unser Herz schneller schlagen lassen. Solche Ängste sind normal, wenn die Situation als objektiv bedrohlich empfunden wird.
#6 Wann ist es nicht mehr „nur“ eine Angst?
Angststörungen, oder pathologische Ängste, treten auf, wenn Angst das Leben erheblich beeinträchtigt. Bei Phobien bezieht sich die Angst auf ein spezifisches Objekt oder eine Situation, die objektiv keine Bedrohung darstellt. Die Angst vor tiefem Wasser wird dann als pathologisch betrachtet, wenn sie ohne reale Gefahr auftritt, unangemessen lange andauert oder zu stark und häufig ist. Weitere Anzeichen sind körperliche Symptome wie Panikattacken, Erwartungsängste und das Gefühl des Kontrollverlusts. Wenn Betroffene die angstauslösende Situation vermeiden, wichtige Aktivitäten unterlassen und stark darunter leiden, wird die Angst als krankhaft angesehen. Eine Therapie kann in diesem Fall sehr gut helfen.
#7 Individuelle Hintergründe
Die Angst vor tiefem Wasser ist evolutionär in uns verankert, entwickelt sich jedoch nicht zwangsläufig zu einer pathologischen Thalassophobie. Eine Kombination aus angeborener Ängstlichkeit (temperamentbezogene Faktoren) und umweltbedingten Risikofaktoren, wie elterlicher Überbehütung oder traumatischen Ereignissen kann zur Entwicklung einer Phobie führen. Ein Beispiel wäre ein von Natur aus ängstliches Kind, das den Verlust eines Elternteils bei einem Schiffsunglück erlebt. Fehlen ausreichend Bewältigungsmechanismen, könnte daraus eine Thalassophobie entstehen. Sind genügend Strategien vorhanden, wird die Phobie jedoch nicht ausgebildet.