Will „Gen Z“ nicht mehr arbeiten? Influencer sorgen mit Clips für Wirbel im Netz
Diese Influencer beschweren sich über den Arbeitsalltag und ältere Menschen fragen sich: Will „Gen Z“ nicht mehr arbeiten? Wir schauen es uns genauer an.
So kontert Brielle die Kritik
In einem Interview mit dem Magazin Rolling Stone reagiert Brielle auf die Kritik auf ihr Video. Sie sagt: „Ich verstehe gar nicht, wie das Ganze zu einer politischen Auseinandersetzung werden konnte, wenn ich doch nur ein Gespräch eröffnen und Leuten gegenüber respektvoll sein wollte, die noch länger arbeiten als ich. [...] Verschiedene Nachrichtensender haben mein Video aufgegriffen und alle Hochschulabsolventen als zu anspruchsvoll und faul dargestellt, was bei weitem nicht der Fall ist.“
Sie erklärte auch noch mal, warum sie gezwungen war einen Job mit so einer langen Anfahrt auf sich zu nehmen: „Ich habe erst im Oktober ein Jobangebot erhalten, der Arbeitsmarkt ist gerade sehr umkämpft“, so Asero im Rolling Stone. „Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich trotz meiner Studienschulden meinen Abschluss nicht sofort nach der Uni nutzen konnte. Als mir die Stelle angeboten wurde, habe ich sie angenommen, um einen Fuß in die Tür zu bekommen und Erfahrungen zu sammeln.“
In den USA haben Studierende durchschnittlich 38.000 Dollar Schulden nach ihrem Studium, da die Studiengebühren so hoch sind, dass sie Kredite aufnehmen müssen. Deshalb wohnt Brielle auch weiter bei ihren Eltern, um Geld zu sparen.
Brielle: Ich wollte einfach Menschen zusammenbringen
„Die Generation Z arbeitet genauso hart wie die Menschen vor uns, mit niedrigeren Gehältern und höheren Lebenshaltungskosten“, findet Brielle. „Als die normale Arbeitswoche eingeführt wurde, konnten es sich die Menschen leisten, eine Familie zu ernähren, in der ein Ehepartner zu Hause bleibt und sich um den Haushalt kümmert. Aber das ist heute kaum noch der Fall. Die meisten Leute, die wütend auf mich sind, lassen nur ihre Wut über die Zeit, die sie durch die langen Arbeitszeiten verloren haben, an mir aus. Ich wollte einfach Menschen zusammenbringen, die so empfinden, um vielleicht eine Veränderung anzustoßen.“
Deutschland: Forderung nach 4-Tage-Woche
Auch in Deutschland gibt es die Forderung nach weniger Arbeitszeit bei vollem Gehalt, denn das sei sogar besser für die Produktivität, so berichtet der Deutschlandfunk. Die Ergebnisse einer Studie aus Großbritannien klingen verheißungsvoll: 61 Unternehmen haben dort ein halbes Jahr die Vier-Tage-Woche getestet. 56 davon wollen erst einmal dabei bleiben. Die Mitarbeiter sind ausgeglichener, gesünder und die Produktivität hat sich sogar erhöht. Besonders in körperlich anstregneden Berufen sollen drei Tage Wochenende dafür sorgen, dass die Arbeitnehmenden sich besser erholen können: Die IG Metall fordert die Vier-Tage-Woche für die Stahlbranche daher schon länger.
#1 Je weniger Arbeit desto besser?
In ihrem Buch „Anti-Girlboss" geht die Sozialarbeiterin Nadia Shehadeh sogar noch weiter als Brielle und gibt zu, dass sie lieber zuhause auf der Couch chillt als zur Arbeit zu gehen. „Ein halbwegs öder Tag zuhause ist immer noch besser als ein interessanter Tag bei der Arbeit“ ist einer ihrer kernigen Sprüche. In einem Interview mit Aspekte sagt sie, dass es Faulheit nicht gebe und man ruhig auf seine Bedürfnisse hören sollte. Sie brauche keine krasse Karriere, sondern genieße ihr beschauliches Leben.