Hafen 1920: Ein Logbuch – Viele Enden. Wähle den Ausgang der Geschichte
Reporter Jan findet ein Logbuch von 1920: Eine Liste von Verschollenen, die nie ganz verschwanden. Der Hafen lebt. Stimm ab: Wie geht die Geschichte weiter?
Der Hafen klingt heute anders als früher. Kein rhythmisches Stampfen der Frachter, kein Rufen der Dockarbeiter – stattdessen das metallische Jaulen von Maschinen, das dumpfe Krachen von Beton, der nachgibt. Die Abrissbirne schwingt wie ein träger Planet durch den grauen Vormittag, reißt Stück für Stück das alte Hafenbecken aus seiner Geschichte. Es riecht nach Diesel, nach nassem Rost – und darunter, hartnäckig, der süßlich-salzige Hauch von Algen, der sich seit Jahrzehnten in die Mauern gefressen hat.
Ich stehe am Absperrband, Notizblock in der Hand, als der Bagger plötzlich innehält. Ein Ruck geht durch die Baustelle, Stimmen werden lauter, dann leiser. Ein Arbeiter winkt hektisch. „Hier ist was!“, ruft er. Kein Fund, wie man ihn täglich macht – das spürt man sofort. Zwischen zerborstenen Planken und aufgeweichtem Schlick liegt es: ein ledergebundenes Buch, dunkel, von der Zeit gegerbt, mit einem noch unversehrten Wachssiegel. 1920, steht darauf, kaum lesbar, aber eindeutig. Ein Logbuch.