Nach EM-Prank: Marvin Wildhage verurteilt
Beim Eröffnungsspiel der EM 2024 verkleidete er sich als EM-Maskottchen und offenbarte so eine Sicherheitslücke der UEFA. 2026 folgten die Konsequenzen.
Es ist kein Geheimnis, dass dem YouTuber Marvin Wildhage bereits der ein oder andere Prank im Netz gelungen ist. Diverse Influencer*innen sind bereits ins Visier des 29-Jährigen geraten und tappten dabei ziemlich unbeholfen in die Falle. Seine Videos werden teilweise millionenfach geklickt, sorgen bei Content-Creator*innen für Angst und Schrecken und bei den Zuschauer*innen für Lacher. Doch seine neueste Aktion setzt dem Ganzen die Krone auf: Beim Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft 2024 in München schleuste sich der YouTuber als Maskottchen ins Stadion und enthüllte damit eine gravierende Sicherheitslücke.
Wie ging es für ihn aus?
„Kein Kavaliersdelikt‘: Marvin Wildhage nach EM-Prank verurteilt
Sein Auftritt als falsches Maskottchen beim Eröffnungsspiel der EM 2024 in München bescherte Marvin Wildhage weltweite Schlagzeilen – im Mai 2026 folgt die juristische Quittung. Das Amtsgericht München verurteilte den YouTuber wegen Urkundenfälschung und Erschleichens von Leistungen zu einer Geldstrafe von 9.000 Euro (60 Tagessätze à 150 Euro). Zudem werden 5.400 Euro seiner Video-Einnahmen eingezogen.
Wildhage rechtfertigte die Aktion vor Gericht als notwendige investigative Recherche: „Ich sehe es als meine Aufgabe, auf Missstände aufmerksam zu machen, sie in die Öffentlichkeit zu tragen. [...] Meine Arbeit ist nichts anderes als investigativer Journalismus.“ Die Richterin erkannte diesen Kern zwar an, betonte jedoch die rechtlichen Grenzen: „Der Angeklagte ist ein investigativer Journalist, das spricht ihm hier keiner ab. Es spricht ihm auch keiner ab, dass hier Sicherheitslücken aufgedeckt werden sollten.“ Dennoch gebe es keinen Freibrief für Journalist*innen, im Rahmen der Recherche Straftaten zu begehen. Die Richterin stellte klar: „Urkundenfälschung ist wirklich kein Kavaliersdelikt.“ Damit folgte sie der Staatsanwaltschaft, während die Verteidigung vergeblich auf Freispruch plädiert hatte, da Wildhage durch das Aufzeigen der Lücken die Sicherheit des Turniers gestärkt habe.
Was ist nochmal genau passiert?
Marvin Wildhage schleust sich als Maskottchen ins EM-Stadion
Für die UEFA war es ein peinliches Desaster: YouTuber Marvin Wildhage hatte sich Mitte Juni 2024 zum Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft ins EM-Stadion eingeschleust – und damit eine gravierende Sicherheitslücke entlarvt. Der Plan war gut überlegt, denn schon Monate im Voraus bestellte er sich ein Maskottchen-Kostüm im Internet, um in diesem unentdeckt das Stadion zu betreten. Da die erste Fälschung allerdings ziemlich unauthentisch aussah, griff er noch einmal tiefer in die Tasche: 3200 Euro ließ er sich das „Albärt“-Kostüm kosten.
Der Plan nahm Form an:
Kumpel von Marvin Wildhage gibt sich als EM-Mitarbeiter aus
Dann schleuste er seinen Kumpel Paul als Mitarbeiter ein, der beim Eröffnungsspiel als einer von zahlreichen Helfer*innen den Teppich rein und raus tragen sollte. Daher konnte er das Stadion auch im Vorfeld ziemlich gut auskundschaften. Bereits hier entpuppte sich das Vorgehen der Veranstalter als relativ riskant: „Am Tag der Generalprobe hat der Typ, der die Pässe rausgegeben hat, seinen Job nur so semi-ernst genommen. Man ist da hingegangen, hat gesagt: ‚Hallo, ich gehöre dazu‘ und dann hat er gesagt: ‚Ja, hier ist die Liste, streich mal deinen Namen durch.‘ Dann haben wir zweimal den Namen weggestrichen und haben zwei Zugangskarten bekommen. Nur dass es hier halt um die Sicherheit von 66.000 Menschen geht“, erklärt Marvin in seinem Video.
Dann wurde der Plan in die Tat umgesetzt:
Wie schaffte es Marvin Wildhage ins EM-Stadion?
Als Maskottchen verkleidet schmuggelte er sich dann zunächst mit seinem Begleiter Pascal in einem vermeintlichen DFB-Auto auf das Gelände. Und hier kam er auch an den Ordner*innen vorbei, die ihn kontrollierten. Doch der 29-Jährige hatte an alles gedacht: Den Mitarbeiterausweis fälschte er von Bildern aus dem Netz, denn viele Mitarbeitende hatten ihre Ausweise auf Instagram und Co. geteilt – samt QR-Code! Zunächst dann ein Dämpfer: Der Code ließ sich am Eingang nicht richtig scannen, doch hier hatte der YouTuber zum Glück den gefälschten Parkausweis parat! Die Ordner*innen entdeckten diesen am Auto und winkten den Wagen einfach durch. „Ach, ihr habt ein Parkticket. Na, dann passt ja alles“, hieß es. Am Ende stand der YouTuber dann tatsächlich im Kostüm am Spielfeldrand und jubelte der Mannschaft zu. Sogar ein Selfie mit Mario Gomez war noch drin.
Doch dann wurden sie erwischt:
So flog Marvin Wildhage schließlich auf
Mitarbeitende der UEFA deckten den Schwindel schließlich auf und begleiteten Marvin und seinen Begleiter zurück ins Parkhaus. „Wo habt ihr die Pässe denn bekommen?“, fragten die Mitarbeiter*innen. Immer mehr Ordner*innen gesellten sich zum YouTuber und schließlich sollte er sein Kostüm abnehmen. „Als ich dann die erste Reaktion gehört hab, wusste ich: Das Spiel ist vorbei.“ Als dann auch noch das echte Maskottchen um die Ecke kam, war der Prank aufgeflogen. Die Mitarbeiter*innen fanden das alles aber gar nicht lustig. Kurzerhand wurde die Polizei gerufen und Marvin und sein Begleiter mussten einige Stunden in der sogenannten Gesa, der „Gefangenen Sammelstelle“ verbringen. „Da sitzen Menschen, die sich nicht so gut benommen haben“, erklärt der YouTuber im Video. „Und dazwischen saß ich mit riesigen Plüschschuhen an dem Unterteil von einem Bärenkostüm“.
Wie ging es dann weiter?
UEFA droht: „Wenn hierrüber ein Video erscheint, dann werden wir mit aller Entschlossenheit dagegen vorgehen“
Kurz danach sollte er das Kostüm dann komplett ablegen. Für ihn und seinen Begleiter ging es dann für ein paar Stunden in eine Zelle. „Fingerabdrücke wurden genommen, wir wurden fotografiert und wir wurden gefragt, ob wir uns zu den Tatvorwürfen äußern wollen. In dem Moment waren Pascal und ich nicht so gesprächig. Und dann gegen zwei Uhr nachts wurden wir auch entlassen.“ In den Belehrungen, die ihnen die Polizei aushändigte, stand zudem drin, dass sie „deutschlandweit Stadionverbot haben, während der gesamten EM plus ein paar Platzverweise in München [...]. Und der goldene Hinweis von einem hohen Funktionär der UEFA, der gesagt hat, wenn hierrüber ein Video erscheint, dann werden wir mit aller Entschlossenheit dagegen vorgehen.“
Dann kam die Reaktion:
Wie reagieren die Veranstalter auf den EM-Prank?
Der Wirbel um die Aktion war im Anschluss natürlich groß. Der bayrische Innenminister Joachim Hermann äußerte sich gegenüber der FAZ besorgt: „Der Vorfall muss schnell und konsequent nachbereitet werden“, erklärte er und fährt fort: „Die Zutrittskontrollen liegen in der alleinigen Verantwortung der EURO 2024 GmbH als Veranstalter. Die bayerische Polizei wurde beim Einlass des YouTubers nicht eingebunden.“ Auch der Sprecher des Polizeipräsidiums München stimmt dem zu: „Wir werden am Einlass in der Regel nur hinzugezogen, wenn wir verständigt werden, beispielsweise bei einer gewalttätigen Person.“ Und die UEFA? Die hält sich bislang bedeckt: „Die UEFA hat die Situation ausgewertet und die notwendigen organisatorischen Maßnahmen eingeleitet“, hieß es in einem Statement.