10 Fehler, die man bei der Versorgung von Verbrennungen begeht
Ist dir eine Verbrennung oder eine Verbrühung passiert? Vermeide besser diese 10 gefährlichen Fehler bei der Ersten Hilfe.
Eine Verbrennung oder Verbrühung passiert rasch: Ein spritzender Topf beim Kochen, heißer Wasserdampf oder der erhitzte Motorrad-Auspuff genügen. Je schneller Erste Hilfe geleistet wird, desto besser. Doch in der Hektik greift man oft intuitiv zu Maßnahmen, die gut gemeint sind, die Situation für die betroffenen Personen jedoch massiv verschlimmern. Wer die typischen Fehler bei der Versorgung von Brandwunden kennt, verhindert im Ernstfall gefährliche Infektionen und sorgt für eine sichere Heilung.
#1 Das Auflegen von Eiswürfeln oder tiefgekühlten Kühlpacks
Wenn die Haut brennt und schmerzt, ist der erste Impuls meistens, nach der extremsten Kältequelle im Haus zu greifen. Das Platzieren von Eiswürfeln oder gefrorenen Kühlpacks direkt auf der Brandwunde ist jedoch ein fataler Fehler, der den Schaden massiv vergrößert. Die extreme Kälte sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße schlagartig zusammenziehen, wodurch das ohnehin schon strapazierte Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden kann. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer zusätzlichen Erfrierung der Hautschichten, was das Absterben von Zellen beschleunigt. Für eine effektive Schmerzlinderung und Erste Hilfe reicht normales, lauwarmes bis leicht kühles Leitungswasser völlig aus, da es die Resthitze sanft aus der Haut zieht, ohne neuen Schaden anzurichten.
#2 Zu langes Kühlen bei großflächigen Verletzungen
Während das Kühlen mit lauwarmem Wasser bei kleinen Brandwunden die Schmerzen lindert, kann es bei schweren und großflächigen Verbrennungen lebensgefährlich werden. Wer den gesamten Rumpf oder große Teile der Extremitäten über einen längeren Zeitraum mit Wasser übergießt, riskiert eine schnelle und unkontrollierte Unterkühlung des gesamten Körpers. Die betroffene Person verliert dadurch massiv an Körperwärme, was den ohnehin geschwächten Kreislauf extrem belastet und im schlimmsten Fall zu einem Herz-Kreislauf-Versagen führen kann. Bei ausgedehnten Brandverletzungen muss das Kühlen daher komplett unterlassen werden. Hier gilt es stattdessen, sofort den Notruf 112 zu wählen und die verletzte Person bis zum Eintreffen der Rettungskräfte mit einer Rettungsdecke warmzuhalten.
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#3 Das Auftragen von Hausmitteln wie Mehl, Quark oder Zahnpasta
In vielen Familien halten sich alte Mythen hartnäckig, nach denen vermeintliche Wundermittel aus der Küche die Hitze aus einer Brandwunde ziehen sollen. Das Bestreichen der verletzten Haut mit Mehl, Quark, Öl oder Zahnpasta ist jedoch einer der gefährlichsten Fehler in der Ersten Hilfe. Diese Substanzen sind alles andere als steril und transportieren Bakterien und Keime direkt in die empfindliche Wunde, was das Infektionsrisiko drastisch erhöht. Zudem verkrusten Hausmittel auf der betroffenen Stelle und verkleben mit dem Gewebe. In der Arztpraxis oder im Krankenhaus müssen diese Reste dann unter großen Schmerzen für die betroffene Person mühsam abgeschabt werden, damit die Wunde überhaupt beurteilt und steril versorgt werden kann.
#4 Mit der Haut verschmolzene Kleidung gewaltsam abziehen
Wenn Kleidung durch die enorme Hitzeeinwirkung Feuer gefangen hat oder stark erhitzt wurde, kann das Gewebe der Textilien regelrecht mit den darunterliegenden Hautschichten verschmelzen. Ein fataler Fehler im Zuge der Ersten Hilfe ist es, diese festsitzenden Kleidungsstücke panisch oder gewaltsam vom Körper abzureißen. Dadurch wird die ohnehin schwer geschädigte Haut großflächig mit abgelöst, was zu tiefen, extrem schmerzhaften Geweberissen führt und das Risiko für unkontrollierbare Blutungen und schwerste Infektionen massiv erhöht. Kleidung sollte bei Verbrennungen nur dann vorsichtig entfernt werden, wenn sie locker sitzt und nicht haftet. Ist sie verkrustet oder verschmolzen, muss sie unbedingt unberührt bleiben, bis der Rettungsdienst übernimmt und die Textilien im Krankenhaus professionell herausschneidet.
#5 Das Aufstechen oder Aufdrücken von Brandblasen
Sobald sich nach einer Verbrennung oder Verbrühung Flüssigkeit unter der Haut sammelt, juckt oder spannt die Stelle oft unangenehm. Viele Menschen neigen dann dazu, diese Brandblasen mit einer Nadel aufzustechen oder sie aufzudrücken. Das ist jedoch ein großer Fehler, denn die intakte Blasenoberfläche ist der absolut beste, körpereigene und sterile Schutz vor Krankheitserregern. Die Flüssigkeit im Inneren schützt das darunterliegende, neu gebildete Gewebe vor Austrocknung und Reibung. Wer die Blase öffnet, reißt eine Eintrittspforte für gefährliche Keime auf, was fast immer zu schmerzhaften Entzündungen und im schlimmsten Fall zu einer tiefen Narbenbildung führt. Brandblasen sollten daher immer in Ruhe gelassen werden, bis sie von selbst abheilen oder medizinisch versorgt werden.
#6 Die Wunde luftdicht oder zu stramm verbinden
Nach einer Brandverletzung ist die richtige Abdeckung entscheidend, doch dabei wird häufig falsch gewickelt. Wer eine Brandwunde mit herkömmlichen Pflastern luftdicht verschließt oder Verbände viel zu stramm um die betroffene Extremität wickelt, schadet der Heilung massiv. Durch den Druck und den Luftabschluss wird die Resthitze im Gewebe gestaut, anstatt zu entweichen, was die Verbrennung tiefer in die Hautschichten treiben kann. Zudem schwellen verletzte Körperteile in den ersten Stunden oft stark an – ein zu enger Verband kann dann die Blutzufuhr abschnüren. Eine Brandwunde sollte stattdessen immer vollkommen locker und ausschließlich mit einem keimfreien, nicht fusselnden Verbandtuch aus dem Erste-Hilfe-Kasten abgedeckt werden, um Schutz zu bieten, ohne Druck auszuüben.
#7 Den Schockzustand der betroffenen Person ignorieren
Bei schweren Verbrennungen konzentrieren sich Ersthelfende oft so intensiv auf die sichtbare Wunde, dass sie den allgemeinen Zustand des Opfers völlig aus den Augen verlieren. Das ist ein gefährlicher Fehler, denn großflächige Verbrennungen führen durch den massiven Flüssigkeitsverlust im Körper sehr häufig zu einem lebensbedrohlichen Schock. Symptome wie auffällige Blässe, unkontrolliertes Zittern, Unruhe und kalter Schweiß dürfen niemals ignoriert werden. In einer solchen Situation reicht die reine Wundversorgung nicht mehr aus. Es muss sofort der Notruf abgesetzt, die betroffene Person warmgehalten und deren Beine leicht erhöht gelagert werden, damit das verbleibende Blut die lebenswichtigen Organe versorgen kann.
#8 Falsches Verhalten bei Verbrennungen im Gesicht
Wenn das Gesicht durch heißen Wasserdampf, Fettspritzer oder Flammen verletzt wird, ist die Panik meist besonders groß. Ein fataler Fehler ist es hier, das Gesicht unter starkem Druck mit fließendem Wasser zu überschwemmen oder gar Eisbeutel aufzulegen. Zum einen schädigt der harte Wasserstrahl die extrem empfindliche Gesichtshaut und die Augen zusätzlich. Zum anderen besteht bei zu viel Wasser im Gesichtsbereich akute Erstickungs- oder Verschluckungsgefahr für die betroffene Person, die ohnehin unter Schock steht. Im Gesicht sollte niemals direkt gespült werden. Stattdessen leistet man hier Erste Hilfe, indem man saubere Tücher mit lauwarmem Wasser anfeuchtet und diese ganz sanft auf die betroffenen Partien legt, um die Hitze vorsichtig abzuleiten.
#9 Den Schweregrad unterschätzen, weil keine Schmerzen auftreten
Es klingt paradox, ist aber eine der größten Gefahren bei schweren Brandverletzungen: Wenn eine betroffene Person nach einem schweren Unfall angibt, überhaupt keine Schmerzen an der verbrannten Stelle zu spüren, wird die Situation von Ersthelfenden oft fälschlicherweise als harmlos eingestuft. Das ist ein fataler Trugschluss. Das Ausbleiben von Schmerzen deutet fast immer auf eine Verbrennung dritten oder vierten Grades hin. Bei diesen tiefen Verletzungen sind die Hautschichten so stark zerstört, dass auch die dort verlaufenden Nervenendigungen komplett verbrannt sind. Ein weißer, lederartiger oder gar verkohlter Wundgrund ist ein absoluter Notfall. Auch wenn die verletzte Person nicht klagt, muss hier sofort der Rettungsdienst alarmiert werden, da lebensgefährliche Komplikationen drohen.
#10 Zinksalbe oder Brandsalben ohne Absprache auf offene Wunden schmieren
Der Griff zur Tube gehört für viele bei Verletzungen zur Routine, doch bei Verbrennungen ist extreme Vorsicht geboten. Das eigenmächtige Auftragen von Zinksalbe oder schweren Brandsalben auf offene Wunden ist ein gravierender Fehler. Zinksalbe hat eine stark abdeckende, zähe Konsistenz. Sie verschließt die Hautporen und die verletzte Oberfläche komplett. Dadurch kann die im Gewebe gestaute Resthitze nicht nach außen entweichen, sondern wird quasi in der Haut „eingeschlossen“, was die Schädigung in tiefere Schichten treiben kann. Zudem erschweren Salbenschichten in der Arztpraxis die Beurteilung der Wundtiefe. Kühlende Brandsalben sind ausschließlich für leichte, geschlossene Verbrennungen ersten Grades (wie einen leichten Sonnenbrand) gedacht – bei offenen Blasen oder tiefen Wunden gehört absolut nichts außer einer sterilen Abdeckung auf die Haut.
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