Account-Sharing: Will Netflix das Teilen von Accounts unterbinden?

Das Account-Sharing ist Netflix schon seit einer Weile ein Dorn im Auge. Mit den Strategien versucht der Streaming-Dienst das Teilen zu unterbinden

Mit einem Netflix-Account kann man vier Geräte gleichzeitig anmelden, sodass man Account-Sharing betreiben kann
Quelle: IMAGO / photothek

Viele von uns erfreuen sich fast täglich an ihrem Neflix-Abo. So kann man sich unzählige Filme, Serien und Dokumentationen vor dem heimischen Fernseher ansehen, ohne am Ende des Monats völlig pleite zu sein. Denn Netflix bietet Abonnements an, die es erlauben, auf bis zu vier Geräten gleichzeitig Filme und Serien zu schauen. Das verleitet die Nutzer natürlich dazu, sich einen Account mit Freunden oder gar Fremden zu teilen. Es gibt nur einen Account, aber gleich vier Leute können ihn nutzen und sich die Kosten dementsprechend teilen. Dies ist vor allem praktisch, da auch die Preise nicht gerade sinken. Netflix könnte diesem Account-Sharing aber bald ein Ende setzen. Denn sie wollen endgültig gegen die Mehrfachnutzung vorgehen und diese unterbinden.

Was sie geplant haben und warum, siehst du im Folgenden. 

Netflix will klar dagegen vor gehen, dass man sich einen Account teilt
Quelle: IMAGO / Hans Lucas

Verluste durch Account-Sharing

Dem Unternehmen gehen durch das Teilen der Accounts monatlich mehr als hundert Millionen Dollar verloren. Gleichzeitig stagnieren die Nutzerzahlen. Zwar bietet Netflix selbst die Option einer Nutzung auf mehreren Geräten an, allerdings soll dies eigentlich nur auf den eigenen Haushalt beschränkt werden. In den Nutzungsbedingungen heißt es: ,,Der Netflix-Dienst und sämtliche Inhalte [...] dürfen nicht mit Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben, geteilt werden."

Anfangs wollte Netflix nicht aktiv gegen das Account-Sharing vorgehen, die Betreiber sehen sich allerdings vor zunehmender Konkurrenz immer häufiger mit Problematik konfrontiert. Neben Amazon Prime Video gibt es inzwischen auch Streaming-Dienste wie Apple oder Disney+.

Wie sie die Mehrfachnutzung nun unterbinden wollen, siehst du auf der nächsten Seite.

Netflix will für das Account Sharing eine verbraucherfreundliche Lösung finden.
Quelle: IMAGO / Panthermedia

„Verbraucherfreundliche Lösung“?

Neflix-Chief Operating Officer Greg Peters erklärte schon 2019 in einem Interview, dass man das Problem im Auge behalten sollte und sie eine „verbraucherfreundliche Lösung" finden würden. Ob die Maßnahme tatsächlich so verbraucherfreundlich sein wird, bleibt abzuwarten. Zunächst müssten die Betreiber eine Antwort auf die Frage finden, wie man kontrolliert, wer sich überhaupt im gleichen Haushalt und an demselben Standort befindet. Da Netflix auch mobil abrufbar ist, könnte sich die Nachverfolgung durchaus schwierig gestalten. Auch an den einzelnen Profilen lässt sich nicht ablesen, ob sich die Personen innerhalb eines Haushalts befinden. Schließlich sind diese frei wählbar und geben keinerlei Aufschluss über die Beziehungen zwischen den Nutzern.

Insbesondere weil ein Profilbild inzwischen besonders häufig genutzt wird ...

Das meist verwendete Profilbild bei Netflix ist das Boss Baby
Quelle: unnuetzes.com

Boss Baby als Spitzenreiter

Inzwischen gibt es bei Netflix nicht nur eine Riesenauswahl an Filmen und Serien, sondern auch zahlreiche Charaktere, die man für sein eigenes Profil bestimmen kann. Zum 25. Jubiläum von Netflix verkündete das Unternehmen, welche Figur das meist genutzte Profilbild der Nutzer ist. Und tatsächlich machte „Boss Baby“ das Rennen! Schlussendlich wurde es mehr als 11 Millionen Mal als Symbol für das eigene Profil erwählt. 2017 feierte der Film „The Boss Baby“ Premiere und spielte weltweit 528 Millionen US-Dollar ein. Es folgten mehrere Spin-off-TV-Serien und die Fortsetzung „Boss Baby - Schluss mit Kindergarten“, die 2021 in die Kinos kam. 

Um den Menschen, die Account-Sharing betreiben aber dennoch auf die Spur zu kommen, startete Netflix 2022 einen Probelauf einer neuen Strategie:

 

Netflix will das Account-Sharing mit einer Strategie unterbinden
Quelle: IMAGO / Kirchner-Media

Im Frühjahr 2022 startete der Streaming-Dienst sogar einen Probelauf, bei denen alle zur Kasse gebeten werden, die ihren Account teilen. Die Strategie funktioniert wie folgt: In den Ländern Argentinien, El Salvador, Guatemala, Honduras und der Dominikanischen Republik wird der Netflix-Account immer mit einem Fernseher oder mit einem mit dem TV-verbundenen Gerät verknüpft. Das heißt der Account ist mit einem Gerät verbunden, das dem primären Zuhause zugeordnet ist. Wenn man sich allerdings außerhalb dieses Zuhauses einloggt, ploppt ein Fenster auf, das dir mitteilt, dass du ein zusätzliches Zuhause gegen eine Gebühr hinzufügen kannst. Die Nutzung von Netflix auf dem neuen Gerät ist dann zwei Wochen lang ohne Aufpreis möglich, außer man hat das Konto bereits innerhalb eines Jahres damit verknüpft. Wenn das Gerät allerdings länger als zwei Wochen genutzt wird, sperrt Netflix den TV.

Mit der Extra-Gebühr können Nutzer bis zu zwei zusätzliche Personen außerhalb ihres Haushaltes in ihr Abo mit aufnehmen. Diese erhalten dann auch ein eigenes Profil mit Logindaten. Kostenpunkt: umgerechnet 1,92 Euro in Peru, 2,71 Euro in Costa Rica und 3,27 Euro in Chile. 

Spotify hingegen versucht es indes mit einer anderen Strategie:

Spotify schaut stichprobenartig nach Nachweisen, um zu identifizieren, wer wirklich in einem Haushalt wohnt
Quelle: IMAGO / Lobeca

Der Musikstreaming-Dienst Spotify macht ein wenig anders: Er bittet Kunden stichprobenartig um Nachweise, dass sie tatsächlich alle zusammen wohnen. Im Vorfeld hatte Spotify das Problem mittels GPS-Tracking beheben wollen, die Methode allerdings aufgrund von Privatsphäre-Problemen auf Eis gelegt. Ein weiteres Vorbild könnte Apple sein, denn das Unternehmen erlaubt es nur, mehrere unabhängige Accounts zu einer Familie zusammenzuschließen und so das Account-Sharing zu unterbinden. Sky Go handhabt die Sache noch radikaler. Dort ist es ohne ein zusätzliches Abo überhaupt nicht möglich auf mehreren Geräten gleichzeitig zu schauen.

Was uns als ,,Account-Sharing-Übeltäter" auch bevorstehen mag, wir hoffen, es kommt erst in sehr entfernter Zukunft auf uns zu.