Warum für Fleischersatz-Produkte mehr Tiere sterben als für "Original"-Fleisch

Fleischfreie Wurst und Ähnliches wird immer beliebter. Rechnet man die Menge jedoch runter, wird Erstaunliches klar:

Warum für Fleischersatz-Produkte mehr Tiere sterben als für "Original"-Fleisch

In deutschen Supermärkten sind fleischfreie Produkte immer mehr auf dem Vormarsch. Egal, ob vegetarische Wurst fürs Brötchen, zum Grillen oder zum Snacken, für fast alles gibt es nun fleischfreie Varianten. Die meisten Verbraucher dieser Produkte nutzen die Auswahl, um einige Tage in der Woche auf Fleisch zu verzichten oder auch die vegetarische Ernährung für eine Zeit auszuprobieren. Sinn und Zweck der Sache ist für die meisten, das Leid der Tiere zu verringern und ganz allgemein etwas Gutes für die Tiere zu tun. 

Stern veröffentlichte nun eine theoretische Rechnung, die dieses Konzept in Frage stellt und mit der aufgezeigt wird, dass auch Veggie-Wurst nicht ohne das Töten von Tieren auskommt. 

Eine herkömmlicher Mortadella Wurst-Aufschnitt besteht für gewöhnlich aus 74% Fleisch. Das durchschnittliche Schlachtgewicht eines Schweins beträgt 94,25 Kg, davon werden rund 80,6% für den menschlichen Verzehr genutzt und von diesen etwa 11,4% für die Wurstherstellung, das macht dem zu folge 10,75 Kg Fleisch des Schweins für Wurst aus. Man könnte damit also 102,66 Kg Mortadella herstellen. 

Veggie-Wurst besteht allerdings aus Eiklar und nun folgt die erstaunliche Offenbarung: 

Warum für Fleischersatz-Produkte mehr Tiere sterben als für "Original"-Fleisch

Die Veggie Mortadella, die stern als Grundlage ihrer Berechnungen verwendet, besteht zu 70% aus Eiklar, für die vorher errechneten 102,66 Kg Wurst bräuchte man also 71,86 Kg Eiklar. Ein Ei wiegt nur etwa 57 Gramm und besteht zu 58% aus Eiklar, was etwa 33,06 Gramm des Eis ausmacht. Um auf 71,86 Kg Eiklar zu kommen, bräuchte man demzufolge 2174 Eier. 

Eine Legehenne legt zwar inzwischen knapp 300 Eier pro Jahr - in freier Laufbahn würde ein Huhn jedoch nur um die 40 Eier pro Jahr legen - deshalb bräuchte man ungefähr 6 Hennen für die Anzahl an Eiern. Die Hennen werden in den Betrieben nach 15 Monaten geschlachtet, da die Eierproduktion nach diesem Zeitraum abnimmt. So werden in Deutschland etwa 51,9 Mio. Hühner für die Eierproduktion gehalten. 

Doch bei den 6 Hennen ist ein weiterer Faktor bisher noch nicht bedacht:

Warum für Fleischersatz-Produkte mehr Tiere sterben als für "Original"-Fleisch

Sexten von männlichen Küken

Für die Eierproduktion braucht man allerdings nur die weiblichen Küken - auch für die Fleischproduktion sind die männlichen Küken ungeeignet, da sie zu langsam an Gewicht zunehmen. Deshalb werden die männlichen Küken direkt nach dem Schlüpfen "aussortiert" und entweder in einer Schreddermaschine getötet oder in einer Kammer lebendig vergast. Diese Methode wird übrigens auch bei der Produktion von Bioeiern angewendet und nennt sich Sexten.

Wenn man das nun mit einbezieht, braucht man für die vorher errechneten 102,66 kg Mortadella nicht nur 6 Legehennen, sondern unter Einbezug der getöteten Küken, ganze 12. 

Statt einem Mastschwein werden also bis zu 12 Hühner für die Herstellung von fleischfreier Wurst getötet. 

Dies soll nicht bedeuten, dass eine fleischfreie Ernährung abzulehnen ist, sondern nur in Frage stellen, ob fleischfreie Produkte wirklich ihren Zweck erfüllen, Tierleid zu verringern. Ist man sich dessen nicht sicher, kann man ja immer noch zur Karotte greifen und auf fleischfreie Wurstersatzprodukte gezielt verzichten.